Königskinder

Hayat, 1989

I

Mit einem Knall hat es begonnen
und tausend Lichter blitzen auf.
Im Nu ist alle Zeit verronnen –
und fortan währt des Schicksals Lauf.

II

Zwei Königskinder, einander fremd
und doch durch unsichtbare Macht verbunden,
hatten Erde und Himmel getrennt
auf ihren Wegen vorgefunden.

III

„Komm“, sprach die Prinzessin und reicht‘ ihm die Hand,
„Ich zeige dir mein luftiges Land,
wo Heiterkeit und Phantasie
dem Wesen des Menschen Glanz verlieh.“

IV

Der Mond stieg auf und mahnt‘ zur Ruh‘,
dass jeder ganz für sich das tu‘,
was seiner Seele Frieden bringt.
Bis leis‘ das Lied der Nacht erklingt.

V

Die Sonne stand schon im Zenith,
als der Prinz das Geheimnis verriet,
dass alles gut ist, wie es ist,
wo immer du auch auf der Suche bist.

VI

Auf der Erde schien der Gang
der Prinzessin schwer und lang,
doch sie folgte Schritt für Schritt
in ungeahnte Tiefe mit.

VII

Und in der Ferne hörten sie
ein neues Lied der Harmonie,
in dem das Lachen und das Weinen
die beiden Welten konnt‘ vereinen.

VIII

Nun öffnete sich das große Tor,
das Wort „Verwandlung” stand davor,
und ehrfurchtsvoll traten sie ein,
denn hier musste die Quelle sein.

IX

Vom klaren Wasser gestärkt und erfrischt
fühlten beide neuen Mut.
Der Zweifel war wie weggewischt,
nun wussten sie: Der Weg war gut!

X

Und sie fingen an, all die Steine zu heben,
die ihnen den Weg zum Licht verbauten,
indem sie im Traum wie auch im Leben
auf die Kraft der Liebe vertrauten.

XI

Ein Weiser trat an sie heran,
vermochte in ihren Augen zu lesen.
Und lächelnd sagte er sodann:
„Die Trennung ist nur Trugbild gewesen!”

XII

Der langen Reise tiefer Sinn
ist nur im Dasein selbst begründet,
und alle Wahrheit liegt darin
für den, der diese Einsicht findet.